Die Familie Herlyn (Herlin)

Wappen Familie Herlyn

Die Herkunft der Familie Herlyn lässt sich dokumentarisch bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen, wo ein Simon Herlin in den Akten von Arras erwähnt wird. Die Abstammung einiger Ahnenreihen in weiblicher Linie (de Croix, de Wavrin) ist bis zur ersten Jahrtausendwende belegt. Die Familie hat ihre Wurzeln in der heutigen französischen Region Hauts-de-France mit den Départements Nord und Pas-de-Calais sowie im Hennegau im heutigen Belgien. Diese Gebiete gehörten seinerzeit zu den burgundisch-habsburgischen Niederlanden. Durch Erbteilung innerhalb des Hauses Habsburg kamen diese Regionen im 16. Jahrhundert unter spanische Regentschaft. Für die Geschichte der Familie war die sich in den Spanischen Niederlanden ausbreitende Reformation und deren Bekämpfung durch die spanische Linie der Habsburger unter Kaiser Karl V HRR (Karl I von Spanien) und Philipp II von Spanien mit der „Heiligen Inquisition“ von großer Bedeutung. Die von den spanischen Herrschern veranlassten Unterdrückungsmaßen lösten seinerzeit den 80-jährigen Krieg zur Befreiung der Niederlande aus.

Ursprung 

Nach den jüngsten Recherchen wird ein Simon Herlin im Jahr 1427 erstmalig in den Akten genannt, die sich in der Mediathèque von Arras befinden. Er war um 1410 aus dem Hennegau (Hainaut) nach Arras gezogen, wo er als „rellier“ (Buchbinder) arbeitete und 1436 ein Haus mit Werkstatt kaufen konnte. Seine Nachkommen waren in Arras als Handwerker und Kaufleute tätig. Zwei Generationen später gelangte sein Enkel Michel Herlin durch Weinhandel zu beachtlichem Wohlstand und stieg in die Schicht der Patrizier auf. Er konnte mehrere Stadthäuser, u.a. am Grand Marché und am Petit Marché, kaufen und erwarb auch im Umland umfangreiches Grundeigentum in Form von Landgütern. Sein Sohn Jean Herlin kaufte weitere Häuser in Arras und später das Schloss ‚Hautecloque‘. Michel Herlin, sein Sohn Jean sowie einige weitere Nachkommen übernahmen als ‚échevins‘ wiederholt leitende Bürgerämter in Arras.

Reformation und Flucht

Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich das reformatorische Gedankengut von Calvin auch in den Spanischen Niederlanden - vor allem durch Guy de Bray, der aus der Stadt Mons im Hennegau stammte. Das spanische Königshaus und der ortsansässige Klerus sahen in der neuen Religion eine Gefahr für ihre Macht. Deswegen wurden die Anhänger der neuen Religionsrichtung der Gotteslästerung bezichtigt, verfolgt, angeklagt und oftmals auch hingerichtet.

Auch unser direkter Vorfahre Claude Herlin, der jüngste Sohn von Jean Herlin und Antoinette de Croix, wandte sich dem neuen Glauben zu. Aufgrund der Verfolgung durch die katholischen Spanier flüchtete er um 1567/70 mit seiner jungen Frau Agnes de Fines und den bis dahin geborenen Kindern von Lille, wo er am 4.6.1565 geheiratet und offenbar noch bis 1567 seinen Wohnsitz hatte, in das seinerzeit noch nicht von den spanischen Truppen besetzte Antwerpen. Als jedoch im Jahr 1585 auch Antwerpen von den Spaniern eingenommen wurde, flüchtete Claude mit seiner gesamten Familie nach Bremen, wo er das Bürgerrecht erwerben konnte. Er wurde damit zum ersten Ahnherrn der Familie Herlyn in Deutschland, von dem auch der niederländische und amerikanische Zweig der Familie abstammt. Aus seiner Nachkommenschaft entwickelten sich im norddeutschen Raum verschiedene Familienzweige, von denen heute noch zwei Linien existieren.

Schon früher hatte sich Michel Herlin, Halbbruder von Claude, dem neuen Glauben angeschlossen. Er war ca. 1530 von Arras nach Valenciennes gezogen und hatte sich dort als Weinhändler niedergelassen. Im Jahre 1567 kam es zur Belagerung und Einnahme der "reformiert" gewordenen Stadt Valenciennes durch spanische Truppen unter Philippe de Sainte-Aldegonde, Seigneur de Noircarmes. Michel Herlin und sein Sohn, ebenfalls Michel genannt, die zu den Patriziern der Stadt gehörten, leiteten zusammen mit anderen Bürgern über mehrere Monate die Verteidigung der Stadt. Nach dem Fall der Stadt wurden sie gefangen genommen und am 31. Mai 1567 auf dem Marktplatz von Valenciennes öffentlich enthauptet. Ihre Leichname wurden am Ufer der Schelde verscharrt. Über die Ereignisse, die auch als "Troubles des Pays-Bas" bezeichnet werden, gibt es umfangreiche Literatur, vornehmlich französischsprachige und niederländische Dokumente und Bücher.

Heutige Familienzweige 

Zum einen gibt es einen ostfriesischen Familienzweig, dessen Stammvater Philipp Herlin ist. Nach erfolgtem Theologiestudium wirkte Philipp ab anno 1654 für viele Jahre als Pastor der reformierten Kirchengemeinde im ostfriesischen Visquard. Von ihm stammen alle Personen ab, die den Familiennamen in der heutigen Schriftform Herlyn führen.

Zum anderen gibt es einen niederländischen Familienzweig, der überwiegend den Familiennamen Heerlien führt, von denen einige Mitglieder aber auch den Familiennamen Heerlein oder Herlijn führen. Der Ahnherr dieses Familienzweiges ist Nikolaus Herlin, der um 1680 von Emden nach Delfzijl verzog und dort ‚Havenmeester‘ wurde. Er war ein Sohn von Jaques Herlin, der ein Bruder von Philipp Herlin war, die beide von Bremen nach Emden gezogen sind.

Nach derzeitigem Stand leben in Deutschland ca. 420 Familienmitglieder mit dem Namen Herlyn. In den USA sind es etwa 50. In den Niederlanden wohnen unter variierendem Namen ca. 100 Familienmitglieder. Leider sind uns im Augenblick keine in Frankreich oder Belgien lebenden Herlins bekannt, die mit unseren Vorfahren aus Arras nachweislich verwandt sind. Wir würden uns freuen, wenn ein solcher Kontakt zu mit uns verwandten Herlins hergestellt werden könnte.

‚Genealogie‘ von Jean Le Carpentier aus dem Jahr 1669

Die Familie Herlyn befindet sich im Besitz einer genealogischen Chronik mit dem Titel "Histoire généalogique de la très ancienne et très noble Famille de Herlin“. Diese Chronik wurde von einem Enkel des o.g. Claude Herlin bei dem seinerzeit bekannten Historiker Jean le Carpentier in Auftrag gegeben und anno 1667 in Leyden (heute: Leiden, NL) veröffentlicht. Sie sollte dazu dienen, eine adelige Abstammung der Familie Herlin von einem Hoston de Saint-Omer und einer Sichilde de Coucy nachzuweisen, deren beider Existenz jedoch nie belegt werden konnte. Diese alte Genealogie liefert keinen einzigen urkundlichen Beweis für eine genealogische Verbindung zwischen der von Carpentier beschriebenen Adelsfamilie de Herlin und der Familie Herlyn. Ein solcher Beweis konnte bis heute, trotz langjähriger intensiver Nachforschungen durch Angehörige der Familie Herlyn, nicht gefunden werden.

Familiendatenbank im Internet

In der elektronischen Familiendatenbank sind mehr als 40.000 Personen erfasst, die nachweislich mit Simon Herlin und seinen Nachkommen verwandt sind. In dieser Zahl ist auch die nicht unerhebliche Zahl der Aszendenz- und Deszendenzverwandtschaft der weiblichen Linien enthalten. Im öffentlichen Bereich ist die Familiendatenbank aus Gründen des Datenschutzes nur eingeschränkt einsehbar. Eine vollständige Einsicht ist ausschließlich im privaten Bereich möglich. Hierzu bedarf es einer persönlichen Registrierung.

Familientradition 

Zur Pflege der Familientradition und zur Förderung des Zusammengehörigkeitsgefühls trifft sich die Familie Herlyn in einem 3-jährigen Turnus in Ostfriesland. Es sollen sich alle diejenigen zu den Familientreffen eingeladen fühlen, die sich der Familie Herlyn verbunden fühlen. Unsere Einladung richtet sich an Namensträger, aber natürlich auch an Nachkommen weiblicher Familienmitglieder, die andere Namen tragen.