Die Familie Herlyn (Herlin)

Wappen Familie Herlyn

Die Herkunft der Familie Herlyn lässt sich bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. Die Abstammung einiger Ahnenreihen in weiblicher Linie (de Croix, de Wavrin) ist bis zur ersten Jahrtausendwende belegt. Die Familie hat ihre Wurzeln in der Region der beiden heutigen Départements Nord und Pas-de-Calais in Nordfrankreich. Dieses Gebiet gehörte seinerzeit zum Territorium der Burgundisch-Habsburgischen Niederlande. Durch Erbteilung innerhalb des Hauses Habsburg kamen die Burgundisch-Habsburgischen Niederlande anno 1522 unter spanische Regentschaft und wurden infolgedessen zu nunmehr Spanischen Niederlanden. Die westlichen Gebiete der Spanischen Niederlande wiederum wurden in der Zeit zwischen 1659 und 1697 - mehr oder minder gewaltsam - dem Staatsgebiet Frankreichs einverleibt. Damit wurde die ursprüngliche Heimat der Herlins französisch. Zum Zeitpunkt des Beginns der Eingliederung nach Frankreich lebten die unmittelbaren Vorfahren der heutigen Herlyn aber bereits seit ca. 80 Jahren in Deutschland.

Ursprung 

Der früheste nachgewiesene Herlyn-Vorfahr, Simon Herlin, wird anno 1427 erstmalig in den Akten der heute in Nordfrankreich (seinerzeit Burgundische Niederlande) gelegenen Stadt Arras genannt. Sein Beruf wird mit rellier (Buchbinder / Buchhändler) angegeben. Die unmittelbaren Nachkommen dieses Simon Herlin waren alle in Arras (und Umgebung) als gutsituierte Handwerker und Kaufleute tätig. Bereits wenige Generationen später waren einige Familienmitglieder durch kaufmännisches Geschick, vornehmlich durch Weinhandel, zu beachtlichem Wohlstand gelangt. Dies versetzte sie in die Lage, im Umland von Arras nennenswertes Grundeigentum in Form von Landgütern zu erwerben.

Reformation 

Als etwa Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformationsbewegung in der Heimat der Herlins, den damaligen Spanischen Niederlanden, Fuß gefasst hatte, konvertierten mehrere Mitglieder der Familie Herlin zum calvinistischen (reformierten) Glauben. Die alsbald seitens der spanischen Oberhoheit veranlassten massiven Repressalien gegen die Anhänger des neuen Glaubens zwangen auch den in der Nähe von Arras lebenden Gutsbesitzer Claude Herlin - einen Ur-Ur-Enkel des Simon Herlin - dazu, mit seiner jungen Frau und zwei ersten Kindern in das seinerzeit noch nicht von spanischen Truppen besetzte Antwerpen zu flüchten. Als anno 1585, im Zuge der Konsolidierung der seinerzeitigen Machtverhältnisse, auch Antwerpen durch die Spanier eingenommen wurde, flüchtete Claude mit seiner zwischenzeitlich weiter gewachsenen Familie nunmehr nach Bremen. Claude Herlin wurde damit zum ersten in Deutschland lebenden Ahnherrn der Familie Herlyn.

Claudes Halbbruder Michel Herlin, der als begüterter Kaufmann in Valenciennes lebte, hatte - trotz vieler Warnungen - auf eine Flucht ins Exil verzichtet. Er beteiligte sich stattdessen mit seinen Söhnen an der Verteidigung seiner Heimatstadt gegen die Spanier. Nach dem Fall von Valenciennes wurden er und sein ältester Sohn zunächst gefangen gesetzt und später zum Tode verurteilt. Michel wurde am 31. Mai 1567 auf dem Marktplatz von Valenciennes enthauptet. Dasselbe Schicksal erlitt wenig später auch sein Sohn.

Heutige Familienzweige 

Nachdem Claude Herlin mit seiner Familie in Bremen sesshaft geworden war, entwickelten sich aus seiner Nachkommenschaft im norddeutschen Raum verschiedene Familienzweige. Mehrere dieser Familienzweige verlieren sich im Dunkeln der Geschichte. Zwei Linien existieren jedoch noch heute:

  • Es handelt sich einmal um den ostfriesischen Familienzweig, dessen Stammvater Philipp Herlin ist. Nach erfolgtem Theologiestudium wirkte Philipp ab 1654 für viele Jahre als Pastor der reformierten Kirchengemeinde im ostfriesischen Visquard. Von ihm stammen alle Personen ab, die den Familiennamen in der heutigen Schriftform Herlyn führen.
  • Bei der anderen noch existierenden Linie handelt es sich um den niederländischen Familienzweig, dessen Mitglieder ihren Familiennamen in mehrfach variierender Weise (Heerlien, Heerlein etc.) führen. Ahnherr dieses Zweiges ist Nikolaus Herlin, der um 1680 von Emden nach Delfzijl verzog und sich dort niederließ. Er war ein Sohn von Jaques Herlin, eines Bruders von Philipp Herlin.

Nach derzeitigem Stand leben in Deutschland ca. 420 Familienmitglieder mit dem Namen Herlyn. In den USA sind es etwa 50. In den Niederlanden wohnen unter variierendem Namen ca. 100 Familienmitglieder.

Familienchronik 

Die Familie Herlyn befindet sich im Besitz einer Chronik mit dem Titel "Histoire généalogique de la très ancienne et très noble Famille de Herlin", die den - immer schon umstrittenen - Anlass gibt, an eine Zurückverfolgbarkeit der Herlyn-Familie bis zur 1. Jahrtausendwende zu glauben. Die Urfassung dieser Chronik wurde von einem Enkel des o. g. Claude Herlin bei dem seinerzeit bekannten Historiker Jean le Carpentier in Auftrag gegeben und anno 1667 in Leyden (heute: Leiden, NL) veröffentlicht. Sie sollte wahrscheinlich dazu dienen, eine adelige Abstammung der nunmehr in Deutschland lebenden Familie nachzuweisen. In der Chronik wird von dem Autor Carpentier eine "undeutlich" gehaltene Verbindung zwischen der in der Chronik abgebildete Adelsfamilie de Herlin und der zuvor beschriebenen Bürgerfamilie Herlin hergestellt. Da die Chronik einen definitiven Beweis für eine genealogische Verbindung beider Familien schuldig bleibt und ein solcher Beweis, trotz langjähriger intensiver Nachforschungen in Frankreich durch Angehörige der Familie Herlyn, bislang auch nicht gefunden wurde, kann die Chronik nicht als Herkunftsnachweis herangezogen werden. Weil andererseits nicht auszuschließen ist, dass zukünftige Recherchen doch noch zur Bestätigung einer Verbindung zwischen den Familien führen, sind in der elektronischen Familiendatenbank der Familie Herlyn zwei Personenkreise getrennt erfasst worden:

  • Ein erster Personenkreis, der alle Personen umfasst, deren Abstammung auf Simon Herlin zurückzuführen ist. Hierbei handelt es sich damit um die reale Ahnentafel der Familie Herlyn, zurückreichend bis zum Jahr 1400.
  • Ein zweiter Personenkreis, der alle Personen umfasst, die in der zuvor erwähnten Carpentier'schen Chronik genannt werden. Die datenmäßige Erfassung dieses Personenkreises stellt gewissermaßen die Archivierung von Daten dar, die ggf. zur "Fortsetzung" der Ahnentafel bis etwa in das Jahr 980 herangezogen werden können.

Familiendatenbank 

In der elektronischen Familiendatenbank sind derzeit ca. 20.200 Personen erfasst. In dieser Zahl ist auch die nicht unerhebliche Nachkommenschaft der weiblichen Deszendenzlinien enthalten. Im öffentlichen (exteren) Bereich ist die Familiendatenbank aus Gründen des Datenschutzes nur eingeschränkt einsehbar. Eine vollständige Einsicht ist ausschließlich im internen Bereich möglich. Hierzu bedarf es einer persönlichen Registrierung.

Familientradition 

Zur Pflege der Familientradition und zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls trifft sich die Familie Herlyn in einem 3-jährigen Turnus in Ostfriesland. Die Teilnahme an diesen Familientreffen ist für alle diejenigen gedacht, die sich der Familie Herlyn in besonderer Weise verbunden fühlen. Sie richtet sich an die Namensträger, aber auch an die Nachkommen weiblicher Familienmitglieder, die andere Namen tragen.